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Honigverordnung

Honigverordnung

Eingangsformel

Das Bundesministerium fĂŒr Verbraucherschutz, ErnĂ€hrung und Landwirtschaft verordnet auf Grund
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des § 19 Abs. 1 Nr. 1, 2 Buchstabe b, Nr. 3 und 4 Buchstabe a und c des Lebensmittel- und BedarfsgegenstĂ€ndegesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1997 (BGBl. I S. 2296), der durch Artikel 42 Nr. 4 der Verordnung vom 29. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2785) geĂ€ndert worden ist, in Verbindung mit § 1 des ZustĂ€ndigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165) und dem Organisationserlass vom 22. Oktober 2002 (BGBl. I S. 4206) im Einvernehmen mit dem Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Arbeit sowie
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des § 44 Abs. 1 Nr. 2 des Lebensmittel- und BedarfsgegenstĂ€ndegesetzes:

§ 1 Anwendungsbereich

Die in Anlage 1 aufgefĂŒhrten Erzeugnisse unterliegen dieser Verordnung, soweit sie dazu bestimmt sind, als Lebensmittel gewerbsmĂ€ĂŸig in den Verkehr gebracht zu werden.

§ 3 Kennzeichnung

(1) FĂŒr die in Anlage 1 aufgefĂŒhrten Erzeugnisse sind die dort genannten Bezeichnungen Bezeichnungen der Lebensmittel nach der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011.

(2) Die in Anlage 1 genannten Bezeichnungen sind den dort aufgefĂŒhrten Erzeugnissen vorbehalten. ²Diese Bezeichnungen können außer bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 3, 4, 8 und 9 durch die Bezeichnung "Honig" ersetzt werden.

(3) Die in Anlage 1 genannten Bezeichnungen können außer bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 8 und 9 ergĂ€nzt werden durch Angaben

1.
zur Herkunft aus BlĂŒten oder lebenden Pflanzenteilen, wenn der Honig vollstĂ€ndig oder ĂŒberwiegend den genannten BlĂŒten oder Pflanzen entstammt und die entsprechenden organoleptischen, physikalisch-chemischen und mikroskopischen Merkmale aufweist;
2.
zur regionalen, territorialen oder topographischen Herkunft, wenn der Honig ausschließlich die angegebene Herkunft aufweist;
3.
zu besonderen QualitÀtsmerkmalen.

(4) ZusĂ€tzlich zu den nach der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 vorgeschriebenen Angaben muss die Kennzeichnung der in Anlage 1 aufgefĂŒhrten Erzeugnisse folgende Angaben enthalten, die nach Maßgabe des Absatzes 5 anzugeben sind:

1.
das Ursprungsland oder die UrsprungslÀnder, in dem oder denen der Honig erzeugt wurde; bei mehr als einem Ursprungsland kann stattdessen jeweils eine der folgenden Angaben gemacht werden, sofern der Honig dort erzeugt wurde:
a)
"Mischung von Honig aus EU-LĂ€ndern",
b)
"Mischung von Honig aus Nicht-EU-LĂ€ndern",
c)
"Mischung von Honig aus EU-LĂ€ndern und Nicht-EU-LĂ€ndern",

2.
den Hinweis "nur zum Kochen und Backen" bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 9.

(5) Die Angabe nach Absatz 4 Nr. 2 ist in Verbindung mit der Bezeichnung des Lebensmittels anzubringen. ²Im Übrigen sind Artikel 8 Absatz 7, Artikel 12 Absatz 1 und 2 und Artikel 13 Absatz 1 bis 3 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 sowie § 2 der Lebensmittelinformations-DurchfĂŒhrungsverordnung anzuwenden.

(6) Bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 8 und 9, die nicht zur Abgabe an Verbraucher bestimmt sind, sind die Bezeichnungen der Lebensmittel auf den TransportbehĂ€ltern, den Verpackungen und in den GeschĂ€ftspapieren anzugeben; dem Verbraucher stehen Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung sowie Gewerbetreibende, soweit sie Lebensmittel zum Verbrauch innerhalb ihrer BetriebsstĂ€tte beziehen, gleich.

§ 4 Verkehrsverbote

GewerbsmĂ€ĂŸig dĂŒrfen nicht in den Verkehr gebracht werden:
1.
Lebensmittel, die mit einer in Anlage 1 aufgefĂŒhrten Bezeichnung versehen sind, ohne den in Anlage 1 genannten Begriffsbestimmungen oder den Vorschriften des § 2 zu entsprechen,
2.
Honig, dessen Bezeichnung durch die in § 3 Abs. 3 vorgesehenen Angaben ergĂ€nzt ist, ohne den dort genannten Anforderungen zu entsprechen,
3.
Erzeugnisse im Sinne der Anlage 1, die nicht mit einer nach § 3 Abs. 4, auch in Verbindung mit Abs. 5 Satz 1, oder Abs. 6 vorgeschriebenen Angabe versehen sind.

§ 5 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten

(1) Nach § 59 Abs. 1 Nr. 21 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches wird bestraft, wer entgegen § 4 Nr. 1 oder 2 Lebensmittel in den Verkehr bringt.

(2) Wer eine in Absatz 1 bezeichnete Handlung fahrlĂ€ssig begeht, handelt nach § 60 Abs. 1 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches ordnungswidrig.

(3) Ordnungswidrig im Sinne des § 60 Abs. 2 Nr. 26 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches handelt, wer vorsĂ€tzlich oder fahrlĂ€ssig entgegen § 4 Nr. 3 ein Erzeugnis in den Verkehr bringt.

§ 6 Übergangsregelung

Bis zum 23. Juni 2015 dĂŒrfen Erzeugnisse nach den bis zum 8. Juli 2015 geltenden Vorschriften hergestellt und gekennzeichnet werden. ²Nach Satz 1 hergestellte und gekennzeichnete Erzeugnisse dĂŒrfen bis zum Abbau der VorrĂ€te in den Verkehr gebracht werden.

§ 7 Inkrafttreten, Außerkrafttreten

(1) Die Verordnung tritt am Tag nach der VerkĂŒndung in Kraft.

(2)

Schlussformel

Der Bundesrat hat zugestimmt.

Anlage 1 Begriffsbestimmungen, Bezeichnungen der Lebensmittel

Abschnitt I
Allgemeines
Honig ist der natursĂŒĂŸe Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen.
Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose, sowie aus organischen SĂ€uren, Enzymen und beim Nektarsammeln aufgenommenen festen Partikeln. Die Farbe des Honigs reicht von nahezu farblos bis dunkelbraun. Er kann von flĂŒssiger, dickflĂŒssiger oder teilweise bis durchgehend kristalliner Beschaffenheit sein. Die Unterschiede in Geschmack und Aroma werden von der jeweiligen botanischen Herkunft bestimmt. Abschnitt II
Honigarten
Nach Herkunft, Gewinnungsart, Angebotsform oder Zweckbestimmung werden folgende Honigarten unterschieden:
Bezeichnung des LebensmittelsBegriffsbestimmung
1.BlĂŒtenhonig oder NektarhonigvollstĂ€ndig oder ĂŒberwiegend aus dem Nektar von Pflanzen stammender Honig
2.HonigtauhonigHonig, der vollstĂ€ndig oder ĂŒberwiegend aus auf lebenden Pflanzenteilen befindlichen Exkreten von an Pflanzen saugenden Insekten (Hemiptera) oder aus Sekreten lebender Pflanzenteile stammt
3.Wabenhonig oder Scheibenhonigvon Bienen in den gedeckelten, brutfreien Zellen der von ihnen frisch gebauten Honigwaben oder in Honigwaben aus feinen, ausschließlich aus Bienenwachs hergestellten gewaffelten WachsblĂ€ttern gespeicherter Honig, der in ganzen oder geteilten Waben gehandelt wird
4.Honig mit Wabenteilen oder WabenstĂŒcke in HonigHonig, der ein oder mehrere StĂŒcke Wabenhonig enthĂ€lt
5.Tropfhonigdurch Austropfen der entdeckelten, brutfreien Waben gewonnener Honig
6.Schleuderhonigdurch Schleudern der entdeckelten, brutfreien Waben gewonnener Honig
7.Presshonigdurch Pressen der brutfreien Waben ohne oder mit ErwÀrmung auf höchstens 45 Grad C gewonnener Honig
8.gefilterter HonigHonig, der gewonnen wird, indem anorganische oder organische Fremdstoffe so entzogen werden, dass Pollen in erheblichem Maße entfernt werden
9.BackhonigHonig, der fĂŒr industrielle Zwecke oder als Zutat fĂŒr andere Lebensmittel, die anschließend verarbeitet werden, geeignet ist

Anlage 2 Anforderungen an die Beschaffenheit

Abschnitt I
Allgemeine Anforderungen
Honig dĂŒrfen keine anderen Stoffe als Honig zugefĂŒgt werden.
Honig muss, soweit möglich, frei von organischen und anorganischen honigfremden Stoffen sein. Honig dĂŒrfen jedoch weder Pollen noch andere honigeigene Stoffe entzogen werden, soweit dies beim Entfernen von anorganischen oder organischen honigfremden Stoffen nicht unvermeidbar ist. Abweichend davon dĂŒrfen gefiltertem Honig Pollen entzogen worden sein.
Honig darf keinen kĂŒnstlich verĂ€nderten SĂ€uregrad aufweisen. Honig darf mit Ausnahme von Backhonig keinen fremden Geschmack oder Geruch aufweisen, nicht in GĂ€rung ĂŒbergegangen oder gegoren sein oder so stark erhitzt worden sein, dass die Enzyme erheblich oder vollstĂ€ndig inaktiviert wurden. Abschnitt II
Spezifische Anforderungen
1.Zuckergehalt
1.1.Fructose- und Glucosegehalt (Summe)
a)BlĂŒtenhonigmindestens 60 g/100 g,
b)Honigtauhonig, allein oder in Mischung mit BlĂŒtenhonigmindestens 45 g/100 g,
1.2.Saccharosegehalt
a)Im Allgemeinenhöchstens 5 g/100 g,
b)Honig von Robinie (Robinia pseudoacacia), Luzerne (Medicago sativa), Banksia menziesii, SĂŒĂŸklee (Hedysarum), Roter Eukalyptus (Eucalyptus camadulensis), Eucryphia lucida, Eucryphia milliganii, Citrus spp.höchstens 10 g/100 g,
c)Honig von Lavendel (Lavandula spp.), Borretsch (Borago officinalis)höchstens 15 g/100 g.
2.Wassergehalt
a)Im Allgemeinenhöchstens 20%,
b)Honig von Heidekraut(Calluna) und Backhonig im Allgemeinenhöchstens 23%,
c)Backhonig von Heidekraut (Calluna)höchstens 25%.
3.Gehalt an wasserunlöslichen Stoffen
a)Im Allgemeinenhöchstens 0,1 g/100 g,
b)Presshonighöchstens 0,5 g/100 g.
4.Elektrische LeitfÀhigkeit
a)Honigarten im Allgemeinen und Mischungen dieser Honigartenhöchstens 0,8 mS/cm,
b)Honigtauhonig und Kastanienhonig und Mischungen dieser Honigartenmindestens 0,8 mS/cm.
Den unter den Buchstaben a und b festgelegten Anforderungen mĂŒssen die nachfolgend genannten Honigarten sowie Mischungen mit diesen Honigarten nicht entsprechen:
Honige von Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Glockenheide (Erica), Eukalyptus, Linden (Tilia spp.), Heidekraut (Calluna vulgaris), Leptospermum, Teebaum (Melaleuca spp.).
5.Gehalt an freien SĂ€uren
a)Im Allgemeinenhöchstens 50 MilliÀquivalente SÀure pro kg,
b)Backhonighöchstens 80 MilliÀquivalente SÀure pro kg.
6.Hydroxymethylfurfuralgehalt (HMF), bestimmt nach Behandlung und Mischung
a)Im Allgemeinen, mit Ausnahme von Backhonighöchstens 40 mg/kg (vorbehaltlich der Bestimmungen unter Nr. 7 Buchstabe b),
b)Honig mit angegebenem Ursprung in Regionen mit tropischem Klima und Mischungen solcher Honigarten untereinanderhöchstens 80 mg/kg.
7.Diastase-Zahl nach Schade, bestimmt nach Behandlung und Mischung
a)Im Allgemeinen mit Ausnahme von Backhonigmindestens 8,
b)Honigarten mit einemgeringen natĂŒrlichen Enzymgehalt (z. B. Zitrushonig) und einem HMF-Gehalt von höchstens 15 mg/kgmindestens 3.

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